Dienstag, 23. August 2016

Der Traum


Der Traum war mir immer voraus.
Ihn einzuholen, 
einen Augenblick im Einklang mit ihm zu leben,
ist das Wunder.

nach: Anais Nin
Die Vorfreude auf Calla ist riesig!!!!!

Sonntag, 3. Juli 2016

Diary May/June 2016 VII



14.06.206

¨There are limitless possibilities within each one of us and, if we give ourselves any chance at all, it is unknown what we are capable of¨...
John O' Donohue

Das Buch von John O'Donehue liegt oft aufgeschlagen neben mir. Leider kann ich nicht alle Texte verstehen - aber so picke ich mir heraus, was mich gerade berührt.

Ich möchte noch einmal zurück nach Clare, zurück zum Burren, dessen Einmaligkeit wir dieses Mal überhaupt erst ¨verstanden¨ haben.  Ich beschrieb dieses Landschaft schon letztes Mal - einzigartige Kalksteinlandschaft von eiszeitlichen Meeren geschaffen. Keine malerische Küste , wo die Kraft des Ozeans durch Inseln oder Landzungen gedämpft wird. Im Burren scheinen Land und Meer eine großeberauschende Einheit unter einem riesigen Himmel zu bilden.  Silbrig erscheinende Karstlandschaft, Steine, wie verstreute Knochen zwischen den Hügeln und Platten und überall die Spalten und Risse in denen Wildblumen wachsen. Wir haben dies bisher nicht so gesehen und sind wie elektrisiert von diese sicher kurzlebigen leuchtenden Tupfern in dieser wüsten Schönheit an Küstenlandschaft





Mich ergreift bei vorsichten Gehen von Stein zu Stein eine große Melancholie und zugleich eine unglaubliche Dankbarkeit, hier zu sein. Nicht nur hier an diesem Ort, der unvergleichlich ist mit allem, was die Welt zu bieten hat.. Dankarkeit, leben zu dürfen, gesund  zu sein, einen liebevollen Partner zu haben, Freunde und all dies hier sehen und erspüren zu dürfen. 
Es ist, als würde Irland noch weitere Sinne freigeben, die sonst verschlossen bleiben, schützend vielleicht vor den Einflüssen der Großstadt.  Hier darf sich in uns alles entfalten, groß und weit werden... Und dies sind eben auch die Momente, in denen Florian mir so sehr fehlt, dass das Herz zu zerspringen droht.
Ich spreche mit ihm, ich danke ihm dafür, dass er uns hier besonders nah ist und greifbarer als in Deutschland und:   In diesem Moment stehe ich vor einer herzförmigen Spalte im Stein.. Sie ist voller Wasser und der Himmel spiegelt sich... Und ich verstehe!   Nach einigen weiteren Schritten ein neues Herz im Stein und noch eines ....  Das ist Irland! Hier haben wir mit Florian eine ¨Sprache¨, die keiner Worte bedarf.  Hier ist einfach Nähe!

Wir beschliessen, dem Grab von John O'Donue in Fanore einen Besuch abzustatten.. Ich brauche heute noch einen Ort für die Tränen, die nicht versiegen wollen - und wie oft haben seine Bücher geholfen und getröstet.

Man kann den Friedhof nicht verpassen, denn er liegt - in keiner Karte eingezeichnet - direkt an der Straße vor Fanore. O'Donohue's Grab ist zwar schnell gefunden, aber nur, weil wir es bereits kannten, als es noch ein hölzernes Grabmal hatte, das inzwischen zerbrochen so verwittert ist, dass nicht einmal sein Name mehr gefunden werden kann.  Das ist sehr bitter, zu sehen und macht wirklich traurig.  Wäre das Grab selbst nicht einmal so bepflanzt worden, dass diese sich selbst versorgen, mag man sich nicht vorstellen, wie es insgesamt aussähe. Das ist eine wirkliche Enttäuschung und sie macht mich angesichts der Tatsache, dass sein Werk ja, wie ich gerade an meinemneuen Buch sehe, weiter ¨vermarktet¨ wird.  Offenbar ist es aber niemandem wert, sich um diesen Ort seiner letzten Ruhe zu kümmern.  Wohin die Gelder aus seine Vermarktung (hauptsächlich in den USA, wie ich immer wieder sehe) fließen, weiss ich nicht. Ich beschliese jedenfalls mich an die Stellen, die für mich zugänglich sind, zu wenden und sehr bitter zu beschweren! 

 In dem Café mit dem besten Kuchen in Clare, das wir an dieser Stelle immer aufsuchen, ruhen wir einen Moment aus, bevor die Fahrt zurück nach Hause angebrochen wird. 

Wir fahren eine kleine Straße, die durch den Burren führt und - endlich - einmal frei von Caravans ist, die hier keine Chance durchzukommen hätten. Hier wird es grüner, es hat sich Land über die Felsen gelegt und die Wiesen sind saftig und Höfe stehen in großem Abstand zu einander. Das  Vieh sieht noch sauberer und hübscher als als sonst, fällt uns auf!  Es bleibt eine felsige Landschaft, über die uralte Gräber und mittelalterliche Ruinen verstreut liegen.


Wir sind gespannt, wie weit Paul mit seinen Arbeiten mit den Steinen gekommen ist... Und nehmen uns zugleich sofort vor, nicht enttäuscht zu sein, falls es nicht dem entspricht, was wir erwartet haben :)  was sich als gut erwies!!

Vorher aber machen wir einen Abstecher zur ¨Burren Perfumery¨, unter der wir uns nicht richtig etwas vorstellen können, aber da auch sie an eine Seitenweg im Burren liegt, gehen wir einmal davon aus, dass es etwas Lohnendes sein wird, was uns nach 12 km erwartet.  Wie lohnend dieser Abstecher werden wird, konnten wir nicht ahnen, aber wir kommen aus dem Staunen und der Freude nicht mehr so schnell heraus!  
 

 Es ist ein kleines ¨Gesamtkunstwerk¨ von Gebäuden (der Parfümerie, einem Café und Nebengebäuden) die alleine schon - von Rosen berankt - atemberaubend aussehen. Das Schönste aber ist ein Kräutergarten!  Hier ist  auf kleinstem Raum und unter Einbeziehung des natürlichen, felsigen Untergrunds, ein solch zauberhafter blühender, duftender, abwechslungsreicher Garten angelegt, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Es ist wirklich Kunst, was uns geboten wird!  Wundervolle Ideen, jeder Blick fängt etwas Neues ein.. Vogelgesang begleitet die Ruhe - und man möchte einfach sitzen und bleiben!

In der Parfümerie werden wir persönlich begrüßt, gefragt, ob wir schon einmal hier waren und uns eine Diashow über den Burren und einige seiner seltensten Pflanzen und Blumen angeboten.
Überall stehen Cremes und Tees und Wässerchen und ich freue mich, dass ich mir - im Vorgriff auf meinen Geburtstag im August - schon einen Duft aussuchen darf :)
Ein überraschend schöner Besuch und - wie so oft - lohnt es sich, von der Hauptstraße abzufahren!!!!



Die beiden letzten Tage waren von Regenschauern durchzogen, besonders vorgestern und wir holten Paul immer wieder ins Haus auf einen Tee oder Capucchino, wenn der Regen zu ¨hart¨ wurde und er nahm gerne an.
Von ihm erfahren wir wieder einiges über diesen Ort. Sein Vater ist hier zur Schule gegangen und er bestätigt noch einmal, dass auch er erzählte, dass er - auch im Winter - keine Schuhe hatte. Die Kinder seien zu Hause noch einmal im Stahl  in frischen Kuhdung getreten, um sich die Füße zu wärmen und mit einem Stück Torf oder zwei unter dem Arm ging es zur Schule.
Dies alles gesah nicht vor über 100 Jahren, sondern in den 40igern - also kurz bevor ich selbst geboren wurde.  Es erscheint einem heute so unfassbar!
Paul hat 7 Geschwister und zwei oder drei leben in den USA. Sie alle kommen aber regelmäßig nach ¨Hause¨ - und vor und hinter seinem Haus in Dolan stehen die Häuser von zwei seiner Brüder. Einer ist Fischer und von ihm stammte der Lobster, den Claudia uns letztes Mal brachte.

 Wir sehen diesen Bruder, der sein Boot hier am Calla Beach hat, öfter und vor einigenTagen  trafen  wir am Strand auch Cornelia. Wir sahen jemanden weit hinten in der Bucht mit energischen großen Schritten laufen und einen Ball wieder und wieder ins Wasser werfen, der von einem enthusiastischen Hund geholt wurde.  Das konnten nur Cornelia und Domino sein!
Sie geht diesen Weg durch die gesamte Bucht offenbar 2 x am Tag, um dann an ¨ ihrem Strand¨, wo das Wasser etwas tiefer ist, zu schwimmen - natürlich mit Domino!  Wir begleiten die beiden und schauen ihnen amüsiert zu.  Cornelia macht uns auf Seaweed aufmerksam, das sich an die Felsen klammert und getrocknet in ihrer Küche beheimatet ist..  Soweit sind wir einfach noch nicht - nicht irisch genug, um Seaweed zu essen!

Wir gehen mit ihr zu ihrem Haus, in dem Peter dabei ist, die Spuren der Handwerker, die das Dach isoliert haben, mit dem Staubsauger zu entfernen.  Alles sieht noch etwas chaotisch aus, aber sie sind auch gerade erst fertig geworden.
Wir sitzen hinter dem Haus auf einer kleinen Terasse vor der Küche, die wir nochn nicht kannten und schauen in das üppige Grün ihres wilden Grundstücks.  Sie lassen immer nur einen kleinen Bereich vor der Küche mähen - ansonsten wächst, was wachsen will.. Es ist ein wunderschöner Ort!

Wir haben immer viel zu erzählen.Der ¨Brexit¨ ist ein Thema für sie, wie für alle hier!  Irland würde vom britischen Austritt aus der EU sehr betroffen sein.  Das Land wäre wieder geteilt - was es ja de facto ist und war - aber bisher gab es keine sichtbaren Grenzen. Davor haben sie wohl die größte Angst... Auch jetzt hat die Republik den Euro und Nordirland das Pfund - was aber wohl gut und unproblematisch gehandhabt wird.  Jedenfalls sind die Iren sehr daran interessiert, England in der EU zu behalten, wie wir ja auch.  In 2 Wochen wissen wir mehr - und es steht wohl noch immer 50:50.
Sie erzählen von ihren Söhnen Jonathan und Marc, die mit ihrer kleinen Firma ¨makers & brothers¨, die irisches Design wieder mit Leben erfüllt und fördert, sehr erfolgreich. Beide leben in Dublin und die Eltern scheinen sehr glücklich darüber zu sein.  Marc war lange in Berlin und Joanathan in London.
Die neuesten Geschichten aus dem Dorf werden erzählt und so  erfahren wir wirklich sehr viel über den Ort, an dem wir sind und  seine Menschen und  fühlen wir uns immer weniger ¨touristisch¨:)




19.06.2016

Nun ist er da, der Abschiedstag und als wolle man uns den Abschied erleichtern, hat sich der Sommer seit 2 Tagen verzogen und es regnet oft und ausgiebig.  Auf den Wiesen im Bog steht das Wasser und die Natur atmet durch.  Es war sehr lange sehr trocken. Jetzt muß es regnen! 
Viel ist hier nicht erzählt - viele wundervolle Ausflüge und Spaziergänge bestätigten uns Tag für Tag, am richtigen Ort auf dieser Welt zu sein!!!
Ein berührender Moment war unser Besuch auf  dem alten Friedhof auf "Omey Island", den wir immer wieder besuchen.


Während wir Grabstätten aufsuchen, die wir von früheren Besuchen kennen und kaum wiedererkennen, sehen wir eine lange Autoschlage über den Strand kommen - eine Beerdigung - und es ist zu spät, uns vom Friedhof zu entfernen.  Die ersten Wagen haben geparkt und allen voran der Leichenwagen mit dem Sarg, der schon vor dem Tor des Friedofs steht... So ziehen wir uns ein wenig zurück und lassen die Trauernden vorbeiziehen..

 
 



"Von ihrer Seite aus halten unsere Freunde in der unsichtbaren Welt uns in der Umarmung ihrer neuen lichten Zugehörigkeit, auch ohne daß wir es merken. Wir sind stets in der schützenden Geborgenheit ihrer heimlichen Umarmung aufgehoben..."
 John O'Donohue



Gestern war Fußball und es störte uns nicht, schon um 13 Uhr im Pub zu sitzen, denn draußen war ¨Land unter¨...dass dann auch drin ¨Land unter¨ beim Spiel war, war bedauernswert. Keine Chance gegen Belgien und ein verdienter Sieg gegen eine Mannschaft, der einfach nicht viel einfiel - und diesmal war es nicht Pech, sondern einfach ein schlechtes Spiel! Das hat auch niemand ¨gut¨ geredet.  Die Stimmung war ein bißchen gedämpft gegen Ende, aber der Pub war gut gefüllt und der Verlust sicher schnell weggespült :)  Wir trafen Fechin, der sich in Doolin ja als Schenker der schönen Kerze zu erkennen gab, die irgendwann auf dem Briefkasten im Eingang stand. Eine wirklich sehr liebe Geste von ihm.  Es geht es ihm wieder gut und es sieht so aus, als habe er nun auch wieder hier sein Zuhause, denn er fährt öfter mit seinem roten Bus hier vorbei.
Paul und er kennen sich seit sie Kinder waren, obwohl Fechin um einiges älter ist. Sie sprechen jeweils vom anderen als ¨gentleman¨ - das ist sehr ehrenwert :)
Dies ist ein Foto nach der Fertigstellung, das uns vor einigen Tagen erreichte!  Wir sind völlig begeistert.. Paul ist ein wahrer Künstler! 



Sarah ist gut in Berlin gelandet und schwärmt sowohl von Irland überhaupt, als auch von Camphill.. Sie schickte am Tag vor ihrer Abreise ein Foto, das uns sehr berührt hat:  Sie und Clyde und ein anderer junger Co-worker.  Clyde war einer der ¨special¨, die Florian sehr mochte.  Ich erinnere, dass er mit ihm und seinem Zwillingbruder einmal nach Dublin in den Zoo fuhr, weil - vor allem sein Bruder - Tiere liebt und sie alle kennt.
Clyde nannte Florian ¨Beewee¨ - und lies sich davon nicht abbringen. 

Als wir nach Florians Tod in Camphill waren und Clyde trafen, kam er auf mich zu und sagte:
¨Beewee is dead - so sad¨.... Er war mit bei dem Gedenken an Florians Sarg in Dublin.

Nun, fast genau 20 Jahre später trifft er auf Sarah und als sie ihm erzählt, dass sie Florians Schwester sei, nennt er sie sofort:  ¨Beewee¨ - und so nennt er niemanden sonst...

Ich war mir dieser ¨Zufälle¨, die ich nun nicht mehr als solche sehe, nicht bewußt:
1996, als Florian nach Camphill ging, wurde Sarah geboren - und nun - 20 Jahre später -  trat sie in Camphill in seine Fußstapfen! Sie möchte wiederkommen und ich hätte mich sehr gefreut, wenn sie sich entschieden hätte, ein Jahr dort zu bleiben...  Aber wer weiß??


Jetzt werden die Koffer gepackt, der Kühlschrank ist leer und wir gehen noch mal essen nach Clifden. Kein interessantes Spiel heute... Das Haus hinterlassen wir wieder in bester Verfassung. Gerade rief übrigens Eamon an, auf den wir ja 3 Wochen gewartet haben, um zu sagen, dass er morgen nachmittag käme :)  Typisch irisch - würde ich mal sagen!
Die Koffer werden immer kleiner und immer leerer - jedenfalls auf der Rückreise. Wenn überhaupt, dann sind es Geschenke, die wir mitbringen.  Unsere persönlichen Sachen wandern so langsam Stück  für Stück von Berlin nach Calla :) und irgendwann kommen wir mit Handgepäck!  Dann sind wir wirklich angekommen!!

Nun reißt sogar der Himmel auf und der Nebel, der uns ziemlich eingehüllt hatte, verzieht sich.
Da sind Berge, da ist auf der anderen Seite eine Küste!!  Herrlich!  All dies wieder zu verlassen, fällt selbst im Wissen, dass wir in zwei Monaten zurück sind, schwer!